19.07.2016  | 
CVJM-Jugendhaus Seelow

Jugendhäuser in Existenz bedroht

Seelow (MOZ) Der Kreisstadt droht ein Kahlschlag in der freien Jugendsozialarbeit. Darauf machen die Verantwortlichen des CVJM Oderbruch und des Freizeitzentrums Frizz aufmerksam. Der neue Jugendförderplan des Landkreises soll eine dramatische Stellenkürzung nach sich ziehen.
 
Die Vorbereitungen für die Kinder- und Jugend-Feriencamps am Schwarzen See in Falkenhagen sind abgeschlossen. Und auch die zwölf Tagesangebote des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) Oderbruch für die Feriengestaltung "stehen". Dennoch blicken die Verantwortlichen in Seelow sorgenvoll in die Zukunft: Der Kreisstadt drohe ab dem kommenden Jahr ein Kahlschlag in der freien Jugendsozialarbeit, sagt Robert Parr. Der Jugendpfarrer leitet den CVJM Oderbruch. Der ist Träger des Jugendhauses in der Seelower Kleinen Kirchstraße - einer von zwei Freizeiteinrichtungen in der Kreisstadt.

Die zweite ist das Gebäude am Marktplatz, in dem das Kinder- und Jugendfreizeitzentrum Frizz seinen Sitz hat. Dessen Träger ist die Kindervereinigung Seelow. Beide Träger bekommen vom Land und Landkreis derzeit zusammen 2,7 Stellen gefördert. Das reiche nicht, um alle Angebote abzusichern. "Unsere Träger finanzieren zu", sagt Parr. Mit nur einer geförderten Stelle für beide Träger müssten beide Jugendhäuser in Seelow schließen. Darin ist sich der Jugendpfarrer mit Frizz-Leiter Olaf Lawrenz einig.

Die Stellenkürzung wäre die Folge der aktualisierten Jugendhilfeplanung ab dem kommenden Jahr. Denn die setzt neue Prioritäten. Zum einen für die Sozialarbeit an den Schulen. In ihnen soll es künftig pro 500 Schülern eine Vollzeit-Stelle für einen Jugendsozialarbeiter geben. Heißt: In jeder der drei Seelower Schulen wird ein Sozialarbeiter tätig sein. Wegbrechen würden die Angebote der freien Träger zur sinnvollen Gestaltung der Freizeit.

"Dem selbst gestellten Anspruch, dass die Qualität der Jugendsozialarbeit in Märkisch-Oderland gehalten werden soll, wird das neue Förderkonzept des Landkreises für Seelow nicht gerecht", meinen Robert Parr und Mitstreiterin Kathrin Schilling.

Die Vertreter des CVJM stellen nicht in Abrede, dass der Landkreis insgesamt sogar mehr für die Jugendsozialarbeit ausgeben will. Doch der im Jugendhilfeausschuss des Kreistages gefundene neue Verteilerschlüssel gehe extrem zu Lasten der Kreisstadt, heißt es.

Robert Parr und Kathrin Schilling erinnern an die Geschichte der Änderung des Schlüssels. Gegen den hatten die Vertreter der Berliner Randgemeinden protestiert. - Zurecht, wie die CVJM-Vertreter einräumen. Denn die einwohnerreichen Kommunen im Speckgürtel waren bei der Zuteilung aus dem so genannten 510-Stellen-Programm des Landes benachteiligt. Der Jugendhilfeausschuss beschloss die Schaffung von etwa 30 zusätzlichen Sozialarbeiter-Stellen - und den neuen Verteilerschlüssel. Bei dem soll künftig auch nach Stadt und Land unterschieden werden.

Das Problem ist: Als "Stadt" gilt eine Kommune ab 10 000 Einwohnern! Die Kreisstadt mit ihren nur rund 5500 Einwohnern wird damit für die Jugendsozialarbeit als Landgemeinde betrachtet. Für eine solche sieht der Jugendförderplan nur eine Basisförderung vor - mit einer Stelle für die Jugendsozialarbeit, wie es sie in den Ämtern im Seelower Umland gibt. "Seelow kann nicht wie eine Landgemeinde behandelt werden, die Stadt erfüllt auch in der Jugendarbeit eine Umlandfunktion", meint Robert Parr - und fordert ein Nachjustieren im Jugendförderplan.

Doch Friedemann Hanke (CDU), der Beigeordnete des Landrates für Soziales, hat wenig Hoffnung, dass das im Sinne der freien Träger gelingen kann. Der Jugendhilfe- und Stellenplan werde derzeit in den Koalitions-Fraktionen im Kreistag heiß diskutiert. Und angesichts des Millionen-Defizits im Kreishaushalt zeichne sich ab, dass in der freien Jugendsozialarbeit eher noch mehr gekürzt werde als bislang vorgesehen, so der Beigeordnete. Friedemann Hanke bedauert zudem, dass es im aktuellen Jugendförderplan "keinerlei soziale Indikatoren" gibt.

Text: INES WEBER-RATH 19.07.2016 18:05 UHR, RED. SEELOW, SEELOW-RED@MOZ.DE
Foto: © JOHANN MÜLLER
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Aktualisiert durch: Stefanie Thierer